Design Culture in Residence

Schloss Hollenegg for Design

Alice Stori Liechtenstein, Obfrau des Kunstvereins Schloss Hollenegg for Design und Schlossherrin, ist bestrebt, auf dem Gebiet des Produktdesign jungen DesignerInnen einen Ort zum Experimentieren zu bieten. Die DesignerInnen erhalten im Rahmen der Ausstellung und des Designers in Residence Programmes die Möglichkeit, an ihren Ideen und Entwicklungen zu arbeiten. Die Ausstellung wird von Alice Stori Liechtenstein kuratiert, die auch die Designers in Residence auswählt und bei der Entwicklung der Prototypen begleitet.

MESH arbeitete für Schloss Hollenegg for Design die Förderungseinreichung für den Kunstverein für zwei Förderungsprogramme aus. Für die Projektbeschreibung ist es ratsam, die unterschiedlichen Interpretationsfelder, in denen Design gesehen wird, zu analysieren. Einerseits wird Design als Teil der Kreativwirtschaft gesehen: Hier steht die Innovation im Vordergrund, die jedoch immer eine wirtschaftliche Relevanz aufweisen muss. Es gelten klare wirtschaftliche Kriterien, gefragt ist die Produktion von Prototypen, eine Innovation des Produktionsprozesses, die Hinführung zur Markt- und Serienreife und die wirtschaftliche Nachfrage nach dem neuen Produkt. Ein anderer wesentlicher Aspekt, der experimentelle Zugang, wird von einigen Kunst- und Kulturförderungen vor allem auf nationaler und europäischer Ebene abgedeckt. Hier werden die Creative Industries als Teilbereich der Cultural Industries gesehen. Im Vordergrund steht eine künstlerische Annäherung, der Prototyp heißt hier Unikat und ist ein oft allein stehendes Ergebnis. Seine Entwicklung wird in der vorliegenden Form nicht weiterverfolgt. Das Augenmerk liegt auf dem Prozess, dem Erforschen neuer Materialien und ihrer Tauglichkeit. Das Unikat bzw. das entstandene Produkt ist nicht zwingend als Gebrauchsgegenstand gedacht, sondern als Zwischenprodukt in einer Entwicklungsserie, an deren Ende ein Prototyp stehen kann oder auch nicht.

Designkultur und Kreativwirtschaft

Design bewegt sich also zur Zeit im Spannungsfeld von Wirtschaft und Kultur, wobei klar die kreativwirtschaftliche Ausrichtung dominiert. Dort jedoch, wo Design nicht wirtschaftlich agiert, sondern experimentell im Bereich des Artefakts, ist die Kulturförderung gefragt. Design ist ein weites Feld und kann beides sein: ein künstlerischer Akt zu Beginn eines langen Prozesses der zu einem wirtschaftlich relevanten Ergebnis führen kann. Für Förderungsansuchen muss die Entscheidung in der Projektentwicklungsphase getroffen werden: Kultur und Wirtschaft fördern in den seltensten Fällen gleichzeitig ein und dasselbe Projekt. Daher gilt es in jedem Fall, die designpolitische Positionierung der Entscheidungsträger zu kennen. 

Schloss Hollenegg for Design | www.schlosshollenegg.at
Fotos: (c) Lipp-Zahnschirm; (c) Philipp Podesser

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